Schlittenhunde-Touren durch Schweden und Norwegen
Musher-Workshops / Vorbereitungskurse in Deutschland

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Da ich mich für nordische Hunde interessiere, besuchte ich letztes Jahr im Februar ein Schlittenhunderennen im Harz. Tausende von Zuschauern säumten die Strecke, besonders den Startraum. Hier hatte man die Möglichkeit, die Hektik direkt vor dem Start hautnah mitzuerleben. Wild umherhüpfende Hunde bekundeten mit lautem Gejaule ihre Ungeduld bis es endlich losgeht. Dieser Lärm verstummte aber schlagartig, als der Start freigegeben wurde und das Team nichts anderes mehr im Sinn hatte, als nach vorne zu stürmen. Leider war ich schon etwas enttäuscht, da hier fast keine Siberian Huskies, Malamuten oder Samojeden zu sehen waren, sondern Rennhunde am Start stehen, die mich eigentlich mehr an den Jagdhund meines Nachbarn erinnerten. Als ich dann mal so einen Rennfahrer, t´schuldigung "Musher" fragte, ob es hier denn keine echten Schlittenhunde zu sehen gäbe, erntete ich nur ein mitleidiges Lächeln, daß da oben am Waldrand ein Grüppchen der "Reinrassigen" ihr Lager aufgeschlagen hätten. Dort angekommen sah ich dann endlich Malamuten und Siberian Huskies, wegen denen ich eigentlich hierher gekommen war. Ein Musher fällt mir besonders wegen seiner freundschaftlichen Beziehung zu seinen 4 Hunden auf. Bei einem Gespräch mit ihm erfahre ich dann, daß er mit seinen Malamuten bei diesem Rennen keine Chancen hätte. Um vorne mithalten zu können müsse man Alaskan Huskies oder "Jagdhundkreuzungen" an den Start bringen. Er halte aber Hunde nicht um Rennen zu gewinnen, sondern weil seine Schlittenhunde ein fester Teil seines Lebens sind und es ihm egal ist, wie schnell er die Sprintstrecke hinter sich bringt. Er ist hier, weil es ihm so möglich ist, einen gut präparierten Trail mit ausreichend Schnee vorzufinden. Dieser "Musher aus Überzeugung" schwärmt auch von seinem Urlaub vor 2 Monaten in Finnland, wo er täglich 40 bis 50 km auf Snowmobiltrails zurücklegen konnte, ohne Probleme mit Förstern, Bauern oder zu wenig Schnee zu bekommen. Hm, das wär doch auch was für mich! Aber - wie soll ich das denn anstellen, ohne eigene Hunde und keinem blassen Schimmer vom Mushen? Beim Bummeln im Startbereich entdecke ich einen Reiseveranstalter, der Husky-Ferien in der Schweiz anbietet...........

Monate später, Anfang Dezember:
Nun sitze ich für eine Stunde im Flugzeug nach Kloten (Zürich) und von dort geht es dann am gleichen Tag weiter ins Dischma-Tal. Temperatur -15°C und 35 cm Neuschnee! Nach ca 100 km mit 100 km/h auf vereisten Nebenstraßen im Kleinbus erreichen wir das Dischma-Tal. In einem Landgasthof werde ich die nächsten 7 Tage wohnen. Beim 5-Gänge Dinner lernen sich die neu angekommenen Gäste schnell kennen, kein Wunder die sind ja alle aus dem gleichen Grund wie ich hier. Mich überrascht es, daß ich der einzige am Tisch bin, der kein "Wiederholungstäter" ist. Nach dem Abendessen werden wir von Ben, unserem "Schlittenhundeführer" begrüßt, der uns auch noch eine erste Einweisung erteilt und den Tagesplan für den nächsten Tag erklärt.
In Gruppen zu 2 Schülern werden wir dann einem der Guides zugeteilt, die sich dann um uns kümmern werden.
Am 2. Tag beginnt morgens unser sogenannter "Zwingertag". Wir werden begrüßt von dem infernalischem Gejaule von 30 Huskies in insgesamt sechs Zwingern.
Die zugeteilten Guides begleiten uns nun zu unseren Hunden, mit denen wir die nächsten sieben Tage ein Team bilden werden. Da stehen wir nun - und vor uns hopsen und winseln acht Schlittenhunde allesamt an der Türe und wollen raus.
Sandra, einer unserer Guides, erkennt unsere Ratlosigkeit sofort und drückt jedem eine Leine mit zwei Karabinern in die Hand.
Sie schiebt uns alle vier in die überdachte Zwingerschleuse und schließt die Türe hinter uns. Das Gatter zu den Hunden wird geöffnet und schon werden wir von 8 Hunden stürmisch begrüßt. Nach intensivem mehrminütigen Streicheln leint sich jeder Schüler 2 Schlittenhunde an und führt sie zum Stake-Out. Es überrascht mich nicht wenig, welche Zugkraft von 8 Huskypfoten ausgehen kann! Beim Anketten der Hunde stelle ich gleich fest, wie kalt es ist, da man sofort am Metall angefriert.
Sandra führt uns mit sicherem Griff vor, wie den Hunden ein Zuggeschirr angelegt wird. Sieht eigentlich ganz einfach aus, das kann ich sicher auch! DENKSTE! Bei mir hält das Schlitzohr von Hund natürlich nicht still und hopst wie wild umher, so daß es für die umherstehenden Mitschüler eine recht lustige Angelegenheit wird. Ich ärgere mich schon ein bischen, denke mir aber im Geheimen; Macht ihr es nur besser, denn wer als letzter lacht, der lacht am besten. Meine Erwartungen wurden noch bei weitem übertroffen! ....
Irgendwann haben wir es dann doch noch geschafft, daß alle 24 Hunde vorbereitet sind. Die Schlitten werden nun ausgerichtet, an einer Startleine mit speziellem Knoten gesichert, der Schneeanker gesetzt und die Gangline mit Neckleinen ausgelegt. Das Anspannen beginnt mit dem Leader, der auf das Kommando "Line Out" die Gangline gespannt hält. Das ganze gestaltet sich nicht gerade als Zuckerlecken, da unsere 4-beinigen Freunde nur noch das Losrennen im Sinn haben und das durch wildes Rumgehopse und lautes Jaulen zeigen. Die eigene Unsicherheit, klamme Finger und vereiste Karabinerhaken kommen noch dazu. Gott sei Dank gibt es aber Sandra, die mit einer Engelsgeduld zusieht und helfend eingreift, wenn es nötig wird. Da ich als letzter in der Startreihe stehe, wurde ich als erster aufgerüstet und muß nun warten und meine Hunde beruhigen, bis auch die anderen startbereit sind.
Das Startzeichen, es kann losgehen! Der Guide verläßt als erster den Startplatz, dann die drei Rookies vor mir und schließlich ich selbst. Wie wild stürmen die 4 Hunde vor mir los, kein Laut kommt mehr aus ihren Kehlen, denn nun sind sie in ihrem Element und sämtliche Energie wird nur noch zum Vorankommen verwendet. Erste Bodenwellen werden mit Schwung genommen und als ich mit dem linken Fuß von der vereisten Schlittenkufe abrutsche, wird mir rasch klar, wie schnell das Gespann verloren gehen kann. Nur mit viel Glück konnte ich diese Situation meistern. An der ersten Kurve finde ich meinen Vordermann, aber ohne Schlitten und ohne Hunde! Die hatten voller Freude über den erleichterten Schlitten einen Zahn zugelegt und das Weite gesucht. Also wurde der Anhalter aufgeladen und schon ging es weiter. Wenige hundert Meter weiter warteten die Anderen schon mit großem Hellau auf meinen Fahrgast, um ihm sein eingefangenes Team wieder auszuhändigen. Die restliche Strecke der 9 km Einführungsrunde gestalteten sich dann nicht mehr so hektisch, da nichts mehr passierte.
Zurück im Camp wurden die Hunde schnell ausgespannt und am Stakeout angekettet. Kein Problem bei mir, außer daß ich jetzt plötzlich 5 Hunde hatte. Ein Zählappell in unserer Gruppe erbrachte schnell, daß dieser Hund zugelaufen war. Nach 15 Minuten fand sich dann doch noch ein Musher (Wiederholungstäter aus der Nachbargruppe) um seinen Hund gegen 5 Bier auszulösen. Daß Schlittenhunde keine Sportgeräte sind, die man nach Gebrauch nur abstellen braucht, wurde uns bei der Shit-Patrol mit Schaufel und Eimer im Zwinger schnell klar. Nächste Weisheit: Wenn beim Hund hinten was rausfällt, dann muß vorne auch was rein! Das Futter der insgesamt 30 Hunde unserer Gruppe wird in mehreren Eimern herangebracht und verfüttert. Mit welcher Geschwindigkeit das eingeweichte Fertigfutter, mit Fleisch und Fischanteilen angereichert, voller Gier verschlungen wird, ist beeindruckend.
Jetzt geht's zurück in unser Hotel. Während dem delikaten 5-Gänge Menü kehrt langsam das Gefühl in die eiskalten Finger und Zehen zurück.
Als alle satt sind kommen wir zur ersten Schulstunde, in der Ben alle unsere kleinen und großen Sünden aufgreift und natürlich tadelt. Da man aus Fehlern lernen kann, gibt uns Ben Tips, wie wir diese Probleme in Zukunft vermeiden können. Weiterer Unterrichtsinhalt sind heute Trainingsaufbau speziell für Mitteldistanz- und Langdistanzrennnen. In den Vorträgen von Ben werden auch die Trainingsmethoden für Kurzdistanzen wie in Mitteleuropa üblich angesprochen. Langsam wird mir dabei auch klar, warum bei den Rennen zuhause so viele Jagd- und Windhundähnliche Rassen vor den Schlitten eingespannt werden. Weniger Überhitzungsprobleme, schnellere raumgreifende Gangart usw. Die Qualitäten, die reinrassige Schlittenhunde auszeichnen, sind da nicht so sehr gefragt.
Sandra verkündet nun, daß morgen geplant ist, eine 12 km Runde zu fahren und daß wir nun zum gemütlicheren Teil des Abends übergehen.
Unsere Wiederholungstäter schwärmen von dem Super-Trail und der traumhaften Umgebung draußen im Tal. Theoretisch bin ich da auch entlang gefahren, aber mitbekommen hab ich davon nicht viel, da ich mit meinen Hunden beschäftigt war.
In der geselligen Runde lerne ich einen dänischen Musher kennen, der aus Dänemark mit eigenem Auto und Hundetransportanhänger angereist ist, um seinen Jahresurlaub zusammen mit seinen 6 Sibirian Huskies zu verbringen. Hier steht wieder ein Vollblutmusher, der sein Leben so umgestaltet hat, daß es seinen Schlittenhunden gerecht wird. Er versteht es nicht, wenn manche Schlittenhundebesitzer ihr Team im Urlaub irgendwo unterbringen wollen, da es für ihn die Möglichkeit eröffnet, sich seinem Hobby ganztags intensiv zu widmen.
Für heute reicht es mir und so falle ich nach ein, zwei Bier todmüde ins Bett und träume vom heute erlebten.
In den nächsten Tagen bekommen alle Rookies langsam Routine im Dog-Handling und so ist es auch bald mir möglich die wunderbaren Winterlandschaften Graubündens zu genießen.
In den Unterrichtsstunden wird von Ben auf Hundeernährung, Hunderassen und Hundeausbildung eingeangen. Dabei werden uns auch die nötigen Kommandos eingebläut. Dies wird wichtig für uns, da unser "Musherdiplom" bevorsteht. Es ist das erste mal, daß wir allein, ohne Guide, auf den Trail raus sollen. Da in 5 minütigen Abständen gestartet wird, müssen wir unseren 4 Hunden selbst klar machen können, wo sie hinlaufen sollen. Gee und Haw - verflixt, was war links und was war rechts? Ich gehe sicher und klebe ein "H" aus Isolierband auf den linken Handschuh!
Mit sicheren Komandos (Dank Blick auf den Handschuh) nehme ich die richtige Abzweigung, um in den 12 km langen Trail einzubiegen. Da das Wetter mitmacht wird es ein echter Phototrip.
Alles in allem läuft es bei mir sehr gut und so komme ich nach etwa einer Std ohne einen nennenswerten Zwischenfall wieder ins Camp zurück.
Am letzten Abend wird kräftig Abschied gefeiert und sehr viele von uns sind sich gewiß wieder zu kommen. Auch mir ist schnell klar geworden, daß ich mit Sicherheit wieder kommen werde....
Klaus Bacher

April 2011 ...
Ich habe meinen Traum verwirklicht, und habe Ben und seine Huskies in der Finnmarksvidda "besucht" .... meine Vorstellungen wurden komplett über den Haufen geworfen, als wir gemeinsam mit 24 Huskies die unglaubliche Weite der Finnmark bei bis zu -35°C durchquerten ... ich bin noch gar nicht in der Lage, die phantastischen Eindrücke niederzuschreiben.... ich muß diese erst einmal verarbeiten ... und es scheint, mich hat nun endgültig der Husky-Virus erfaßt .... und habe bereits für Februar 2012 die nächste Tour fest eingeplant ...
Klaus Bacher & Monika Schilda





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